Wie schwer ist Khediras Adduktorenverletzung?

Wie schwer ist Khediras Adduktorenverletzung?

Im hart umkämpften Viertelfinalspiel gegen Italien ist Deutschland als Sieger vom Platz gegangen. Ein Wehrmutstropfen ist dabei aber die länger werdende Verletztenliste.

Für Mario Gomez ist die EM nach dem Muskelfaserriss vorbei, bei Bastian Schweinsteiger wird man erst in den kommenden Tagen Genaues wissen. Spannend und zugleich eine medizinisch anspruchsvolle Fragestellung ist die Verletzung von Sami Khedira.

Nachdem bis jetzt in den Medien sehr wenig von den Ergebnissen der MRT Untersuchung zu erfahren ist, scheint eine sichere Diagnose nur schwer möglich zu sein. Khedira hatte bereits im Frühjahr 2016 eine ähnliche Verletzung, so dass nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass diese reaktiviert wurde. Ein schwerer Unfallmechanismus war auf den ersten Blick nicht ersichtlich.

Abhängig von der Schwere der Verletzung muss das aber nicht heißen, dass dies gleichzeitig das EM-Aus für den Mittelfeldakteur bedeutet. Wie den Medien zu entnehmen ist, wird ein Einsatz am Donnerstag im Halbfinale nahezu unmöglich sein. Ob es für eventuelles Finale reicht, werden erst Belastungstests unter Wettkampfbedingungen kurz vor der Partie zeigen. Bis dahin wird das Team um Dr. Müller-Wohlfahrt und Physio Klaus Eder versuchen mit Injektionen und mehrmals täglich physiotherapeutische Anwendungen den Spieler zu stabilisieren.

Egal ob im Leistungssport oder im Amateurbereich, die Ursachen für Adduktorenprobleme können sehr vielfältig sein. Dazu muss man wissen, dass sich die sogenannten Adduktoren aus einer Gruppe von mehreren Muskeln zusammensetzen. Dabei setzt in allen Fällen der Muskel mit seiner Sehne an der Knochenhaut des Schambeins an.

Man unterscheidet von der Prognose her grundsätzlich Adduktorenprobleme am Übergang von Sehne zu Knochen, von muskulären Verletzungen, welche entweder nur im Muskel liegen oder im Bereich des Übergangs von Muskel zur Sehne zu finden sind.

Prinzipiell sind die muskulären Verletzungen der Adduktoren gut therapierbar. Hier hängt es vom Ausmaß der Verletzung ab, ob zum Beispiel eine Zerrung, ein Muskelfaserriss oder ein Muskelbündelriss vorliegen.

Langwierige Probleme finden sich fast immer im Bereich von Verletzungen/Überlastungen im Bereich des Übergangs der Sehne zum Knochen. Hier kann es manchmal zu einer Ausheilung mit Narbengewebe kommen, welches gelegentlich nicht voll belastbar ist und bei Bagatellbelastungen oder Muskelermüdung wieder aufbrechen kann. Genau diese Situation könnte im Fall von Khedria vorliegen.

Herzlichst,
Ihr Dr. med. Gerald Lutz